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Ein 6-jähriges Mädchen steht regungslos in ihrem kleinen Heimatdorf in Guatemala. Die tief dunklen Augen scheinen völlig ins Leere zu blicken, ihre Mundwinkel hängen ohne jeglichen Hauch von Freude nach unten und das ganze Gesicht strahlt eine verbitterte Trauer aus. Den Tränen nahe blickt sie in die Linse des Fotographen.

Mit diesem Bild wirbt World Vision, eine Hilfsorganisation für Kinder, für eine Patenschaft an hilfsbedürftigen Kindern. Der dazugehörige Text, mit Informationen zur Patenschaft, ist in erster Linie völlig zweitrangig. Das Bild alleine dient hier als Illustrationsmittel und berührt den Betrachter zutiefst auf seiner emotionalen Ebene. Ein eindringlicher Appell an die Welt Hilfe zu leisten, durch das einfache Bild eines kleinen Mädchens. Bilder sind Botschafter, haben Aussagekraft und regen zum Nachdenken an. Bilder „sprechen“ eine Sprache. Die Sprache der Bilder.

Wörtliche Sprache ist ein System, dass wir alle beherrschen und in dem wir uns verständlich machen können. Beispielsweise das Wort „Auto“ ist kein Auto und doch wissen wir schon durch das Wortbild was es „heißt“. In der Zeichensprache, dem gezeichneten „Etwas“ gibt es allerdings keinen allgemein gültigen Wortschatz, d.h. man muss sich einlesen bzw. „eingucken“. In der Bildsprache muss man sich mit dem Vokabular des Zeichnens vertraut machen, um die Aussage des Bildes zu verstehen. Versteht man die Bildsprache mehr und mehr, kann man Bilder ebenso lesen und interpretieren wie Artikel. Es handelt sich um eine visuelle Formulierung einer Thematik.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zum Beispiel macht seit Anbeginn ihrer Zeit Gebrauch von aussagekräftigen Bildern. In Form von überdimensionalen Werbebannern appellieren sie beispielsweise im Kampf gegen den Klimawandel an die Menschheit, den Treibhauseffekt durch individuelle Beiträge abzuschwächen. Es sind Bilder der schmelzenden Polkappen oder auch eine Darstellung der deformierten Erdkugel in neuer Gestalt eines Herzens, die den Menschen zum nachdenken und handeln anregen sollen.

Die World Press kürte 2004 das Bild eines indischen Fotographen namens Arko Datta, der für die Nachrichtenagentur Reuters im Katastrophengebiet arbeitete, mit dem Titel: Bild des Jahres 2004. Sein Bild zeigt eine zutiefst verzweifelte Inderin, die auf der nackten Erde kniet und ihre Handflächen gen Himmel dreht. Neben der Frau liegt eine Leiche, von der nur eine Hand und ein Teil des Arms zu sehen ist. Das Bild wurde am 28. Dezember geschossen. 2 Tage nach der Flut in Cuddalore. Dieses Pressebild ist ein Dokument des Schmerzes, der Trauer, der Verzweiflung – aber auch des Respekts im Umgang mit den verbliebenen der Opfer, die mit dem grausamen Tod ihrer Geschwister, Eltern, Verwandten und Freunden zurechtkommen müssen. Dieses Bild bedarf keiner Worte mehr.

Bilder spielen nicht nur heutzutage eine unabdingbare Rolle, sondern haben dies schon immer getan. Bereits die ersten Menschen auf unserer Erde haben mit ihren Höhlenmalereien Botschaften überliefert, ohne die wir im heutigen Zeitalter erheblich weniger über deren Leben wissen würden.

Die Interpretation von Bildern birgt aber auch Problematiken und führt nicht selten zu kontroversen Diskussionen. Ein riesiges Plakat von Modedesigner Calvin Klein sorgte vergangenes Jahr im schicken Stadtteil „SoHo“ in New York für Furore. Das Werbeplakat für Calvin Kleins neue Jeans-Kampagne zeigt ein junges Mädchen, nur mit einer Mini-Hotpant bekleidet, wie sie einen jungen Mann küsst, während sie auf einem Halbnackten liegt. Zu ihren Füßen ein weiterer, leicht bekleideter Herr. Kritiker empfinden diese Darstellung als „unpassend, ekelhaft und abstoßend“ und haben das sofortige Abhängen des Orgien-Plakates gefordert. Ein Calvin Klein-Sprecher hingegen reagiert auf diese verbale Attacke ungerührt mit der Stellungnahme: „Unsere Absicht war es, eine sexy Kampagne zu schaffen.“

Hier befinden wir uns in mitten der Interpretationsdifferenzen. Die Intention eines Bildes liegt vor allem in der Werbebranche im Auge des Betrachters. Unterschiede im Geschlecht, im Alter, in der Konfession, im Sinn für Kunst oder grundsätzlich in der Einstellung zu gewissen Thematiken bieten keinen Nährboden für Interpretationsübereinstimmungen. In Bezug auf das „Orgien-Plakat“ bewegen sich Interpretationen auf dünnem Eis. Manch einer würde das Plakat als moralisch anrüchig, niveaulos, pornographisch und als öffentliche sexuelle Provokation einstufen. Ein anderer hingegen würde die Darstellung als modern, sexy und kosmopolitant bezeichnen, was im Sinne des Lifestyles des 21.Jahrhunderts einfach nur eine prickelnde Erotik darbietet. Die Interpretationsmöglichkeiten sind ohne Frage alles andere als limitiert, betrachtet man das Werbeplakat jedoch aus Sicht des Marketings, kommt man lediglich auf eine Marketing-Strategie: Sex sells!

Abgesehen von jeglichen Verkaufsstrategien und Botschaften, die in Bildern transportiert werden, verzaubern gute Fotografien. Sie ziehen einen in ihren Bann, lassen einen wünschen mitten im Geschehen zu sein und vermitteln Atmosphären und Stimmungen.  Oft sind es Momentaufnahmen, die Erinnerungen aufkommen lassen und das Herz zum Lachen bringen. Bilder berühren und verändern.

Fakt ist, das visuelle formulieren von Thematiken hat sich schon lange in unserer Welt etabliert und ist vor allem heutzutage nicht mehr wegzudenken. Bilder sagen bekanntlich weit mehr aus, als dies Worte jemals könnten.

Marcus Schäfer


Big mouth!

Illustrationen

Tüte

Schattentanz

Revolution im Kleiderschrank

Die 60er Jahre gelten als Jahrzehnt des Umbruchs und der großen Konflikte. Es war der Beginn einer sexuellen Revolution, die Jugend avanciert zum Mode-Leitbild und gleichzeitig ist ein Klein Beigeben der großen Modehäuser zu verzeichnen, mit dem Ergebnis der Prêt-à-Porter Mode. Alles in allem, das wichtigste Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts.

Alles hat seinen Ursprung. War es einst Coco Chanel Anfang der 20er Jahre, die mit ihrem „Kleinen Schwarzen“ die Modewelt der Frauen revolutionierte und Christian Dior 1947, der mit seinem „New Look“ Paris nach den Strapazen des 2. Weltkrieges wieder zur Modehauptstadt machte, setzt Mary Quant Anfang der 60er mit ihrer Erfindung des Minirocks einen weiteren riesigen Meilenstein in der Geschichte der Mode. Die Auswirkungen dieser modischen Errungenschaft ist jedoch wesentlich weitläufiger. Der Minirock galt als Symbol eines moralisch freien und aufgeklärten Denkens und fällt somit in die Gründerjahre einer gesellschaftlichen Umstrukturierung. Der Entwurf einer jugendlichen Gegenkultur zu den Erwachsenen. Diese Jugendbewegung der 60er hat ihren Ursprung letztendlich im Generationskonflikt. Die Jugend träumte von einem friedlichem, lustvollem und vor allem freien Leben. Sie wollten mit der Spießigkeit, dem Anstand und der Disziplin der vergangenen Jahre brechen, was alles größtenteils auf das Wirtschaftswunder der 50er zurück zuführen ist. Die traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau stand im Verruf und mit der Erfindung der Pille 1961 wurde die Jugend schlagartig experimentierfreudig. Die modische Entfesselung und Freiheit, geht mit der Auflockerung der gesellschaftlichen Zwänge einher, wodurch sich einiges änderte.

Die Jugend wurde zur treibenden Kraft der Mode, so mussten auch die „großen Modehäuser“ sich danach richten und ihre Verkaufsstrategie ändern. Es wurden neben den vornehmen Modesalons Boutiquen eingerichtet, in denen Prêt-à-Porter Mode verkauft wurde. Diese, sozusagen „Haute Couture von der Stange“, war für eine breitere Masse erschwinglich und machte schon bald das Hauptgeschäft der Couturiers aus. Im Zuge der sexuellen Revolution wurde die Mode wesentlich freizügiger und unorthodoxer. So entwarfen die Couturiers durchsichtige Blusen, die ohne Dessous getragen wurden und nur durch Rüschen verziert waren. Yves Saint Laurent kreierte u.a. ein langes transparentes Abendkleid mit einem Federboa-Ring um die Mitte. Miniröcke und kurze Hosen, darunter eine Feinstrumpfhose und Overknees-Stiefel, konnten sich im Zuge der „körperlichen Befreiung“ problemlos durchsetzen. Neben Mary Quant, war auch Barbara Hulanicki, genannt „Biba“, eine Vertreterin der Trends der sechziger Jahre und übernahm ein Kaufhaus, in dem der „Biba-Look“ verkauft wurde. Das Zentrum der Modewelt war zweifelsohne London, die Mode war unkompliziert und sexy, aber gleichzeitig bezahlbar.

Im Gegensatz zu London oder der USA, wo man die elegante Mode zu dieser Zeit ablehnte, ließen sich Couturiers wie André Courrèges, Pierre Cardin und Paco Rabanne in Paris nicht beirren. Als 1961 der Russe Yuri Gargarin als erster Mensch ins Weltall flog und somit das Zeitalter der Raumfahrt angebrochen war, ließen sich die drei von der allgemein herrschenden Raumfahrt-Euphorie anstecken. Die futuristische Mode war geboren. Sie setzten neue Formen, Schnitte und Materlialien ein, wodurch die Kleider roboterhaft wirkten. Hüte sahen aus wie Satellitenscheiben und Frauen wirkten wie lebende Flugobjekte. Die Schnitte waren kantig, wie mit Zirkel und Lineal entworfen. Die weiße Sonnenbrille mit dem Sehschlitz von Courrèges fehlte in keinem Optikergeschäft. Innovative Matelialien wie Vinyl, Plastik und Metall machten erstmal Einzug in die Bekleidungsindustrie. Die Mode war utopisch, aber völlig neu.

Alles andere als futuristisch und utopisch war die Vermarktung des Damensmokings von Yves Saint Laurent 1966, wodurch Hosen für Damen endgültig gesellschaftliche Akzeptanz fanden. Von nun an wandelten sich Blue Jeans mehr und mehr zur Alltagsbekleidung. In eine völlig andere Richtung ging Yves Saint Laurents Kommerzialisierung der OP-Art in der Mode. Geometrische schwarz-weiß Muster und optische Täuschungen auf diversen Textilien waren der Renner der Dekade.

Neben der gesellschaftlichen Entwicklungen der sechziger Jahre, hatten auch die politischen Verhältnisse eine Auswirkung auf die Mode dieser Zeit.

Die Welt steckte seit den 50er Jahren wieder zunehmend in einer militärischen Aufrüstungsphase und der Kalte Krieg zwischen Ost und West forciert sich in den 60er Jahren vehement. 1961 wurde Deutschland durch den Mauerbau in Berlin zweigeteilt. Die Kuba Krise von 1962 war eine äußerst ernste Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion. Zu keinem anderem Zeitpunkt war ein Atomkrieg wahrscheinlicher, als im Rahmen dieser Krise. In Vietnam brach 1965 der Zweite Indochinakrieg aus, der heute als letzte verlustreiche Etappe eines dreißigjährigen bewaffneten Konflikts mit unglaublich vielen Verlusten gilt. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich Mitte der sechziger Jahre die Hippie-Bewegung. „Make love not war“ hieß es von nun an und man demonstrierte gegen soziale Klassenunterschiede, Intoleranz, Rassismus und vor allem Krieg. Das materielle Streben der Erwachsenen wurde abgelehnt und man protestierte gegen das Establishment, unter anderem indem man sich durch spezielle Kleidung abgrenzte. Es war der Beginn der Blumenkindermode. Bunte, unkonventionelle Klamotten, wie z.B. Schlaghosen, Beatsstiefel und Tuniken prägten die „Flower Power“- Mode. Ketten mit Peace-Zeichen, Blumen und Antikriegsaufnäher zierten Parka, Tuniken, Shirts und Jeans. Ende der 60er Jahre kommen zusätzlich zum Konsum von Marihuana noch synthetische Drogen wie z.B. LSD oder Extacy hinzu, die von nun an unter den Hippies gang und gäbe waren.

Kulturell gesehen, war die Musik der Swinging Sixties das universelle Element des Jahrzehnts, das bezüglich Klassen-, Rassen- und Geschlechtsunterschiede jegliche Limitierungen überragte und somit das Mittel zur Einheit war. Die Musik der Beatles, Rolling Stones, The Who, The Doors, Eric Clapton, Jimi Hendrix oder The Kinks drückten den Zeitgeist der Jahre aus und sprachen der Bevölkerung aus der Seele. Unter dem Motto „Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll“ wurde ohne Rücksicht auf Verluste gefeiert. Dieser Lifestyle war in der Unkompliziertheit der Mode stark verankert.

Nicht nur die Mode wurde rund um erneuert, sondern es kam auch ein neues Schönheitsideal auf. Die damals spindeldürre 16 jährige Engländerin „Twiggy“ wurde das erste Model, dass zum Massenidol wurde. Neben ihr waren es noch die junge Jean Shrimpton und Penelope Tree, die zu großer Verwunderung vieler zu erfolgreichen und begehrten Models wurden. Im Vergleich zu den gängigen Schönheitsidolen wie Audrey Hepburn, Brigitte Bardon, Sophia Lauren oder Faye Dunaway, waren gerade ihre unkonventionellen Vorstellungen von Schönheit inspirierend für federführende Fotografen wie David Bailey und Richard Avedon. Was Twiggy in England war, war Jackie Kennedy, die ehemalige Ehefrau des 35. US-Präsidenten J.F. Kennedy, in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie war die Stilikone des Jahrzehnts, konnte tragen was sie wollte und sah immer gut aus.

Seit den sechziger Jahren ist viel passiert, dennoch waren sie wegweisend und unentbehrlich für die weiteren Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts, sogar bis heute. Es war das goldene Zeitalter neuer Freiheiten, dessen modische Entwicklungen ein großer Schritt in der Geschichte der Mode war. Denn mal ganz ehrlich, was würden wir denn heutzutage ohne Prêt-à-Porter- bzw. Konfektionsmode machen?

Marcus Schäfer

Es ist doch eine verkehrte Welt. War doch Ende des 19. Jahrhundert ein gewisser Levi Strauss damit beschäftigt, den Goldgräbern in San Francisco robuste, unzerstörbare und teilweise schützende Arbeitshosen zu schneidern, beschäftigen sich heutzutage Designer damit, die grundsätzlich identischen Hosen so hinzurichten, dass man sie damals direkt in die Tonne gekloppt hätte. Genauso verbalisiert das auch regelmäßig meine Oma: „ Mei Bua, so ebs hättet mir friana in Sack gschmissa“.

Nichtsdestotrotz, zerrissene, abgeraspelte und verwaschene Denim Jeans im „Used look“ sind nach wie vor unabdingliche Bestandteile eines jeden Kleiderschrankes.

Angefangen mit den Hippies und Punkern ab den 70er Jahren über die schmuddelige Grunge-Bewegungen in den 90er Jahren, mit Idolen wie Kurt Cobain, bis hin zur Prêt-á-Porter der Gegenwart. Die Ära der zerstörten Jeans hat nie geendet. Neu im Vergleich zu den vergangenen Dekaden ist lediglich folgendes. Noch nie war die Vielfalt an Farben, Formen, Mustern und Kombinationsmöglichkeiten so groß wie heute. Knallenge „Ultra-skinny“- Denims, lockere „straight cut“- Denims oder zerfledderte Jeanshosen in „Baggy Optik“, der Fantasie der Designern sind keine Grenzen gesetzt.

Ob in Kombination mit edlen Salonschleichern oder Flip-Flops, High-Heels oder Turnschuhe, Sakko oder Jeansjacke, Hemd mit Fliege oder lässiges T-Shirt, mit einem gewissen Sinn für Ästhetik und einem Händchen für gutes Styling kann man hier nichts falsch machen.

In diesem Sinne: Ran an den Werkzeugkasten und „destroy your jeans“!!

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